Politische Versprechen sind ein wichtiger Bestandteil des demokratischen Betriebs. Sie geben Orientierung, erzeugen Erwartungen und ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, sich für einen kurzen Moment vorzustellen, dass Dinge tatsächlich einfacher, günstiger, schneller oder gerechter werden könnten. Gleichzeitig entfalten viele dieser Versprechen nach der Wahl eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit. Aus klaren Aussagen werden Prüfaufträge, aus Prüfaufträgen werden Eckpunktepapiere und aus Eckpunktepapieren entstehen irgendwann Formulierungen, die selbst erfahrene Verwaltungsfachkräfte nur noch mit Lesebrille und innerer Kündigung verstehen.
Der Wahlversprechen-Übersetzer soll genau an dieser Stelle helfen. Er nimmt politische Standardsätze ernst genug, um sie amtlich zu übersetzen, aber nicht so ernst, dass man dabei den Humor verliert. Denn viele Versprechen klingen zunächst eindeutig: Bürokratie soll abgebaut, Bürger sollen entlastet, Wohnungen sollen bezahlbar, Schulen moderner und Verwaltungen digitaler werden. Erst im politischen Alltag zeigt sich dann, dass zwischen „Wir machen das“ und „Es wurde eine ressortübergreifende Prüfung eingeleitet“ ein weiter Weg liegt, der meist über mehrere Ausschüsse, drei Zuständigkeitskonflikte und mindestens eine Pressekonferenz führt.
Besonders auffällig ist dabei, dass viele Versprechen unabhängig von Partei, Ministerium oder Wahljahr erstaunlich ähnlich klingen. Die Worte ändern sich, die Grundmelodie bleibt gleich: Es wird gestärkt, beschleunigt, entlastet, verbessert, modernisiert und zukunftsfest gemacht. Was genau das bedeutet, wann es passiert und wer am Ende dafür zuständig ist, bleibt häufig offen. Genau diese Lücke zwischen großer politischer Sprache und kleiner praktischer Wirkung ist der natürliche Lebensraum dieses Übersetzers.
Natürlich ersetzt diese Seite keine ernsthafte politische Auseinandersetzung. Sie soll nicht erklären, welches Wahlprogramm besser ist, welche Maßnahme sinnvoll wäre oder welche Partei welche Verantwortung trägt. Sie macht etwas anderes: Sie zeigt satirisch, warum politische Sprache oft so klingt, als sei sie vor allem dafür gemacht, möglichst viel Hoffnung zu erzeugen, ohne sich zu früh auf ein überprüfbares Ergebnis festzulegen. Der Unterschied zwischen Versprechen und Wirklichkeit liegt dabei nicht selten in einem kleinen Zusatz wie „im Rahmen der Möglichkeiten“, „vorbehaltlich der Finanzierung“ oder „nach Abschluss der Prüfung“.
Gerade deshalb lohnt es sich, politische Aussagen nicht nur nach ihrem Klang zu bewerten, sondern auch nach ihrer späteren Übersetzbarkeit. Ein gutes Versprechen erkennt man daran, dass es auf einem Plakat stark aussieht, in einer Talkshow entschlossen klingt und im Regierungsalltag noch genügend Spielraum lässt, um bei Bedarf neu interpretiert zu werden. Der Wahlversprechen-Übersetzer dokumentiert diesen Vorgang in angemessener amtlicher Trockenheit.
Wer also künftig hört, dass jetzt gehandelt, die Mitte gestärkt, die Bürokratie abgebaut oder die Zukunft gesichert wird, kann diese Aussage mit der gebotenen staatsbürgerlichen Gelassenheit betrachten. Vielleicht passiert tatsächlich etwas. Vielleicht wird aber auch zunächst eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die prüft, ob eine Vorprüfung zur möglichen Umsetzung vorbereitet werden kann. In beiden Fällen empfiehlt der Bananenpolitische Dienst: Ruhe bewahren, Aktenzeichen notieren und den Fortschrittsbalken nicht zu optimistisch interpretieren.
Am Ende bleibt die wichtigste Erkenntnis: Ein politisches Versprechen ist selten falsch. Es befindet sich lediglich in einem frühen Stadium seiner späteren Bedeutungsanpassung. Genau dafür wurde dieser Übersetzer geschaffen.