StartDigital & MedienDigitalisierungNeue Behörden-App spart Zeit, indem sie direkt abstürzt

Neue Behörden-App spart Zeit, indem sie direkt abstürzt

Die Anwendung soll Bürgerinnen und Bürger künftig schneller dorthin bringen, wo sie laut Verwaltung ohnehin landen: zurück an den Anfang.

Berlin (BPD) – Die Bundesregierung hat am Montag die neue zentrale Behörden-App „AmtDirekt 2.0“ vorgestellt. Die Anwendung soll nach Angaben des Bundesministeriums für digitale Entschleunigung erstmals bundesweit dafür sorgen, dass Bürgerinnen und Bürger bei digitalen Verwaltungsverfahren keine unnötige Zeit mehr mit Eingaben, Uploads oder Zwischenschritten verlieren. Stattdessen stürzt die App unmittelbar nach dem Öffnen ab.

Wie das Amt mitteilte, handele es sich dabei nicht um einen technischen Fehler, sondern um einen „prozessoptimierten Sofortabbruch mit verwaltungsnaher Nutzerführung“. Die App bilde damit erstmals realistisch ab, was viele Bürger bislang erst nach mehreren Formularseiten, zwei Identitätsprüfungen und einem ungültigen PDF-Upload erfahren hätten: dass der Vorgang derzeit nicht abgeschlossen werden könne.

„Wir haben festgestellt, dass viele Menschen viel zu lange brauchen, um zu scheitern“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. „Mit AmtDirekt 2.0 reduzieren wir diesen Zeitraum auf durchschnittlich 1,7 Sekunden. Das ist ein bedeutender Fortschritt für den digitalen Staat.“

Scheitern ohne Wartezeit

Nach Angaben aus Regierungskreisen soll die neue App in einer ersten Phase für Meldebescheinigungen, Ummeldungen, Führungszeugnisse, Bauanträge, Elterngeld, Wohngeld, Gewerbeanmeldungen sowie alle anderen Vorgänge eingesetzt werden, bei denen Bürger bisher fälschlicherweise davon ausgegangen seien, dass digitale Lösungen der Vereinfachung dienten.

Das Kernstück der Anwendung ist ein sogenannter „präventiver Systemabsturz“. Er verhindert, dass Nutzer sensible Daten eingeben, Dokumente hochladen oder Hoffnung entwickeln. Bereits beim Start erscheint für einen Sekundenbruchteil das Bundesadler-Symbol, bevor die App geschlossen wird und der Hinweis „Ein unerwarteter Verwaltungszustand ist eingetreten“ auf dem Bildschirm erscheint.

„Wir wollten die Bürgerinnen und Bürger dort abholen, wo sie stehen“, sagte Projektleiter Klaus-Dieter Formblatt von der Zentralstelle für Formularwesen. „Also vor einem Gerät, das sie ratlos ansehen.“

Die Maßnahme diene der besseren Nachvollziehbarkeit bereits nicht nachvollziehbarer Prozesse. In bisherigen Tests hätten 93 Prozent der Nutzer angegeben, dass sie sich durch den sofortigen Absturz „überraschend vertraut“ behandelt fühlten. Weitere 7 Prozent konnten an der Befragung nicht teilnehmen, weil ihr Sitzungstoken abgelaufen war.

Weniger Klicks, gleiches Ergebnis

Besonders stolz zeigt sich das Ministerium auf die neue Effizienzlogik der App. Während Bürgerinnen und Bürger früher erst nach dem Ausfüllen von 14 Feldern, dem Scannen eines Ausweises, der Eingabe eines Einmalcodes und dem Akzeptieren von fünf Datenschutzdialogen erfuhren, dass die zuständige Stelle leider nicht zuständig sei, werde dieser Verwaltungszustand nun unmittelbar erreicht.

„Wir sparen den Menschen nicht den Behördengang, aber wir sparen ihnen den Glauben daran, dass er vermeidbar wäre“, erklärte eine Sprecherin des Bundesamts für gefühlte Zuständigkeit. „Das ist im modernen Erwartungsmanagement ein Quantensprung.“

Auch die Wirtschaft soll profitieren. Unternehmen, die bislang Arbeitszeit verloren, weil Beschäftigte während der Pause versuchten, online eine Bescheinigung zu beantragen, können künftig sicher sein, dass der Vorgang noch vor dem ersten Schluck Kaffee beendet ist. Laut Ministerium entstehen dadurch „messbare Entlastungen im Bereich enttäuschter Produktivität“.

Für Menschen ohne Smartphone sei ebenfalls gesorgt. Sie können den Absturz nach Angaben der Behörde schriftlich beantragen. Ein entsprechender Antrag kann ab sofort beantragt werden.

Datenschutz durch Datenvermeidung

Ein weiterer Vorteil der App liege im Datenschutz. Da die Anwendung abstürzt, bevor persönliche Informationen übermittelt werden können, würden keinerlei Bürgerdaten unnötig verarbeitet. Das Ministerium spricht von einem „höchstmöglichen Sicherheitsstandard durch vollständige Funktionsverweigerung“.

„Eine App, die nicht funktioniert, kann keine Daten verlieren“, sagte ein Regierungsberater aus der Kommission zur Vereinfachung komplexer Vereinfachungen. „Damit setzt Deutschland international Maßstäbe bei der sicheren Nichtbearbeitung.“

Kritik, wonach eine Behörden-App grundsätzlich funktionieren sollte, wies das Ministerium zurück. Diese Erwartung beruhe auf einem veralteten Digitalisierungsverständnis. Moderne Verwaltungsdigitalisierung müsse nicht zwingend darin bestehen, Vorgänge zu erleichtern. Entscheidend sei vielmehr, dass ein digitaler Eindruck entstehe.

„Es geht nicht darum, dass Bürger ihr Anliegen erledigen“, so der Sprecher. „Es geht darum, dass sie erkennen, dass auch dieses Anliegen inzwischen digital nicht erledigt werden kann.“

Zuständig ist zunächst niemand

Unklar bleibt bislang, welche Behörde für Fehlermeldungen zuständig ist. Nach Auskunft des Bundesministeriums für digitale Entschleunigung liege die Verantwortung grundsätzlich bei den Ländern, sofern der Bund nicht zuständig sei. Die Länder wiederum verwiesen auf Kommunen, die sich nach ersten Angaben auf „technische Rahmenbedingungen außerhalb des kommunalen Einflussbereichs“ berufen. Zuständig ist zunächst niemand, perspektivisch aber alle.

Für besonders dringende Anliegen soll es künftig eine Premium-Fehlermeldung geben. Diese erscheint nicht sofort, sondern erst nach drei Minuten Ladeanimation. Damit werde, so das Ministerium, „der Charakter eines echten Behördentermins stärker nachempfunden“. Nutzer erhalten anschließend die Meldung, dass ihr Anliegen aus Sicherheitsgründen nur persönlich, postalisch oder über eine andere App eingereicht werden könne, die sich derzeit in Entwicklung befinde.

Auch eine Warteschlangenfunktion ist geplant. Sie soll Bürgern anzeigen, wie viele Personen vor ihnen ebenfalls keinen Zugriff auf den Dienst haben. In einer späteren Ausbaustufe soll die App zusätzlich die voraussichtliche Nichtbearbeitungsdauer anzeigen. Nach aktuellem Stand liegt diese je nach Bundesland zwischen „kurzfristig nicht möglich“ und „nach Abschluss der Digitalisierung“.

Lob aus der Verwaltung

Innerhalb der Verwaltung wird die App überwiegend positiv bewertet. Mehrere Behörden begrüßten, dass Bürger ihre Anliegen nun nicht mehr versehentlich an die falsche Stelle senden könnten, da sie sie gar nicht mehr senden können.

„Das reduziert Rückfragen erheblich“, erklärte ein Mitarbeiter einer kommunalen Fachstelle, der anonym bleiben möchte, weil er nicht weiß, ob seine Fachstelle wirklich zuständig ist. „Früher mussten wir den Bürgern mitteilen, dass sie bei uns falsch sind. Heute erledigt das die App, indem sie gar nicht erst so tut, als könne sie richtig sein.“

Die Zentralstelle für Formularwesen kündigte zudem an, die App eng mit bestehenden Papierverfahren zu verzahnen. Wer nach drei Abstürzen weiterhin versucht, sein Anliegen digital einzureichen, soll automatisch ein PDF erhalten, das ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und anschließend wegen Formfehlers neu ausgedruckt werden muss.

Eine besondere Innovation sei dabei das „dynamische Formular 0“. Es enthält keine Felder, gilt aber als unvollständig, sobald es geöffnet wird.

Bürger sollen Geduld mitbringen

Für Bürgerinnen und Bürger empfiehlt das Ministerium, vor der Nutzung der App ausreichend Zeit, Geduld und ein alternatives Lebensziel einzuplanen. Außerdem solle geprüft werden, ob das Anliegen wirklich notwendig sei oder ob es durch Abwarten, Wegziehen oder resignierte Akzeptanz ersetzt werden könne.

In ersten Erfahrungsberichten lobten einige Nutzer die Klarheit des neuen Systems. „Ich wusste sofort, woran ich bin“, sagte ein Bürger aus Niedersachsen. „Nämlich nicht weiter.“

Das Ministerium wertet solche Rückmeldungen als Erfolg. Gerade in einer Zeit wachsender Komplexität sei es wichtig, Verwaltungsprozesse nicht künstlich zu vereinfachen. Die Menschen müssten lernen, dass Digitalisierung kein Versprechen sei, sondern ein Bildschirm.

Für die kommenden Monate sind weitere Funktionen geplant. Dazu zählt ein digitaler Terminservice, der freie Termine anzeigt, sobald keine mehr verfügbar sind. Außerdem soll eine Chatbot-Funktion integriert werden, die auf jede Frage antwortet: „Bitte wenden Sie sich an die zuständige Stelle.“ Welche Stelle zuständig ist, werde aus Gründen der Verwaltungsneutralität nicht angezeigt.

Zum Abschluss der Pressekonferenz kündigte Klaus-Dieter Formblatt an, dass AmtDirekt 2.0 schon bald durch AmtDirekt 3.0 ersetzt werde. Die neue Version soll nicht mehr abstürzen, sondern sich gar nicht erst installieren lassen.

„Damit erreichen wir die nächste Stufe bürgernaher Effizienz“, sagte Formblatt. „Der Vorgang scheitert dann bereits, bevor er begonnen hat.“

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